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TU Dortmund führt internationalen Expertenkreis zum „Testival“ für das Stromtanken zusammen

Japan und Südkorea fliegen Prototypen von E-Fahrzeugen ein

Jedes Elektrofahrzeug soll unabhängig vom Hersteller an jeder Ladesäule tanken können – ob mit Gleich- oder Wechselstrom, ob als Langsam- oder Schnelllader. Das ist eine Voraussetzung dafür, dass im Rahmen der Einführung der Elektromobilität Autofahrerinnen und -fahrer überzeugt werden, Elektroautos zu kaufen. Der Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der TU Dortmund unter der Leitung von Herrn Prof. Christian Wietfeld hat sich das smarte interoperable Stromtanken zum Thema gemacht und dafür zum internationalen „Conformance & Interoperability Testival“ eingeladen. Dabei wurde die Fachwelt auf den Stand gebracht, wie weit die Einführung des weltweiten Ladestandards gediehen ist.

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Der „Erlkönig“ aus Korea ist mit Schutzfolien abgeklebt, selbst das kleine Emblem mit dem Firmenlogo auf den Radnaben ist abgedeckt, über dem Armaturenbrett liegt eine schwarze Matte – der Pkw-Hersteller Hyundai schützt den Prototypen seines neuesten Elektrofahrzeugs vor den Blicken der Konkurrenz. Und trotzdem hat Hyundai den Wagen in ein Frachtflugzeug gepackt und nach Deutschland geflogen, um bei der internationalen Testival-Konferenz der TU Dortmund neben den hiesigen Automobilherstellern BMW, Porsche und Volkswagen elektrische Ladesysteme zu testen. Honda und Toyota aus Japan haben ebenfalls zwei Elektrofahrzeuge geschickt, die noch Vorserienstatus haben.

Die Autohersteller wissen, dass E-Autos erst einen nennenswerten Käuferkreis finden, wenn das Stromtanken überall, einfach und ohne Komplikationen möglich ist. Neben den elektrischen und mechanischen Anforderungen an den Ladestecker sind dafür kommunikationstechnische Steuerungsaspekte der Ladeschnittstelle essenziell. Inzwischen wurde zur Ladesteuerung im Rahmen der internationalen Standardisierung ein komplexes Kommunikationsprotokoll entwickelt: Vielfältige Anwendungs-szenarien wie Schnellladen, exklusive Nutzung von „Grünstrom“ und selbstproduziertem Strom, Roaming im In- und Ausland, induktives Laden sowie Laden von Elektro-Bussen sollen unterstützt werden. Aktuell wird der Standard erstmals weltweit in Elektrofahrzeugen und Ladesäulen implementiert, wobei mit Spannung erwartet wird, ob die Systeme tatsächlich wie gewünscht problemlos zusammenarbeiten.

Ein „Härtetest“ lief zwei Tage an der TU Dortmund, nachdem sich die Expertinnen und Experten zuvor in den USA und Japan getroffen hatten. Die Veranstaltung fand im Rahmen der internationalen Standardisierung zur Steuerungskommunikation für die intelligente E-Fahrzeug Ladeschnittstelle (Combined Charging System, CCS) nach ISO/IEC 15118 bzw. DIN 70121 statt. Der Bereich für Kommunikationsnetze der TU Dortmund leitet die ISO/IEC Unterarbeitsgruppe für die Definition von „Conformance Tests“ und steuert wissenschaftlich abgesicherte Test- und Evaluierungsmethoden bei.

Die als Testival bezeichnete Veranstaltung ist ein innovatives Format, in dem sämtliche Implementierungen und Testsysteme von den teilnehmenden Unternehmen bzw. Instituten eingebracht und gegeneinander getestet werden. In Dortmund waren erstmals knapp 45 internationale Unternehmen und Forschungsinstitute mit rund 100 Fachleuten angemeldet. Mit Süd-Korea, Japan, Taiwan, USA, Frankreich, Dänemark, Schweiz und Deutschland nahmen insgesamt acht Nationen an der Veranstaltung teil. Unter anderem waren Audi, BMW, Ford, Honda, Hyundai, Porsche, Toyota, VW, RWE, Siemens und eine ganze Reihe internationaler Automobil-Zulieferer vor Ort. Sie brachten zahlreiche Steuergeräte, Ladeinfrastrukturen sowie sechs unterschiedliche Elektrofahrzeuge für die zweitägigen Tests an der TU Dortmund mit. Die Testergebnisse der Veranstaltung unterstrichen zum einen die Realisierbarkeit des Standards in der täglichen Praxis, andererseits aber auch die Notwendigkeit eines engen Dialogs zwischen den Branchen und den damit einhergehenden Tests.

Die Aktivitäten des Bereichs für Kommunikationsnetze der TU Dortmund folgen aus den Forschungsergebnissen des durch Landesmittel (NRW EFRE) geförderten Forschungsprojekts „TIE-IN“ sowie des durch Bundesmittel (BMWi) geförderten Forschungsprojekts „eNterop“ und fanden in dem durch EFRE-Mittel geförderten Kompetenzzentrum für Elektromobilität, Infrastruktur & Netze mit wissenschaftlicher Unterstützung des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft (IE3) statt.